GangTourFrankfurt2015

Es ist mal wieder passiert. Eine Autogrammstunde von SKK (SchwarzKopfKanal) musste von der Polizei abgebrochen werden.

Das Autogrammstunden bekannter YouTuber in der Vergangenheit immer mal wieder abgebrochen werden mussten, da man die Massen an Menschen teils massiv unterschätzte, ist hinlänglich bekannt und ein Risiko das man wohl auch einkalkulieren muss. Jüngstes Beispiel: Die Autogrammstunde der YouTuber des inzwischen über 1 Millionen Abonnenten zählenden Channels SKK.

Am 16. Juni 2017 fand Nachmittags eine Autogrammstunde im Tiger & Jump in Oberhausen statt. Laut Veranstalter habe man mit 500 Leuten gerechnet. Letztlich kamen mehr als doppelt so viele, was in Wartezeiten am Eingangsbereich resultierte. Etwa 500-700 wartende Jugendliche und Kinder bauten auf die vordersten Wartenden einen erheblichen Druck auf, so Augenzeugen vor Ort. Die Veranstalter waren aufgrund der Masse an Menschen nicht dazu in der Lage den Druck und das Geschubse in der Menschentraube zu lösen und riefen die Polizei zur Hilfe. Laut dieser war der Bereich vor der Halle nicht mit Absperrgittern gesichert worden, was der Veranstalter per Facebook dementierte: „Es gab Absperrungen. Diese wurden nur leider nicht beachtet und einfach über den Haufen gerannt.“

Die Situation war wohl schon so festgefahren, dass auch die eintreffende Polizei die Situation nicht lösen konnte und sich gezwungen sah die Autogrammstunde abzubrechen. Die Jungs vom SchwarzKopfKanal verließen in einem Streifenwagen die Veranstaltung, da viele Jugendliche nach wie vor vor der Halle ausharrten um vielleicht doch noch Autogramme und Selfies ergattern zu können.

 

Autogrammstunden im Chaos? Keine Seltenheit!

Solche Vorfälle sind nicht an der Tagesordnung, aber dennoch zu häufig. Zumeist unterschätzen die Veranstalter kolossal die Anzahl der potentiellen Besucher und sind absolut nicht darauf vorbereitet die anströmenden Menschenmassen auch nur einigermaßen vernünftig zu verwalten und zu organisieren. Im März musste eine Autogrammstunde des Teenie-Stars Mike Singer in einem Mönchengladbacher Shoppingcenter abgebrochen werden. 13 Personen mussten aufgrund von Kreislaufproblemen von Notärzten behandelt werden. Auch BibisBeautyPalace kann ein Lied davon singen. Bereits 2014 wurde eine Autogrammstunde aufgrund fehlender Planung abgebrochen. Damals hatten Bibi und DagiBee gemeinsam eine nicht genehmigte Autogrammstunde in Köln durchgeführt. Traurige Bilanz dieser unverantwortlichen Tat: Junge Mädchen mussten wegen Atemnot und auch wegen Quetschungen ärztlich versorgt werden. Herbst 2016 war es dann ein in Wien von einem Möbelhaus organisierter Fan-Tag, der Nachmittags im Chaos endete und erneut von der Polizei beendet werden musste.

Die Liste ist extrem lang. Letztlich sind die Abläufe der fehlgeschlagenen Autogrammstunden immer sehr ähnlich, lediglich die Namen der Influencer ändern sich.

 

Auch große Veranstaltungen haben Probleme

Aber nicht nur solche „einzelnen“ Autogrammstunden sind kritisch, auch diverse Großveranstaltungen bewegten sich da in der Vergangenheit auf sehr dünnem Eis. Erwähnen möchte ich da die Gang-Tour 2015 und die TubeCon, die Anfang 2016 in Oberhausen stattfand und von der Funk Medien-Gruppe organisiert wurde. Ich war im Sommer 2015 auf der ersten Gang-Tour in Frankfurt vor Ort. Damals ist man sicher knapp dem Abbruch entkommen. Dass es nicht dazu kam war aus meiner Sicht den meist weiblichen, jungen Fans geschuldet. Die Organisatoren haben zum Meet&Greet aufgrund von Zeitmangel die Toren geöffnet und die Besucher, als auch die YouTuber rausgeschickt. Planlos, ohne Konzept, ohne Sicherheitspersonal. ApeCrime fand sich plötzlich inmitten einer riesigen Menschenmenge wieder. Keiner wusste was hier passiert. Einige YouTuber hatten sich auf eine Empore geflüchtet. Das hätte mit etwas Pech alles ganz böse enden können. Das Publikum kam aber der Aufforderung Gott sei Dank nach, sich wieder gesittet an die Eingänge zu stellen und ihre YouTube-Stars in die Halle zu lassen. Das hat alles so viel Zeit gekostet, dass man letztlich die jungen Teenager dazu aufforderte, sobald sie mit ihren Selfies an er Reihe waren, vom Eingang zu den Stars zu rennen. Man habe 5 Sekunden, wurde immer wieder durchgegeben und die Kinder mit „Hopp, Hopp.“ und „Auf, Auf.“-Rufen angetrieben. Ob die zweite Gang-Tour besser organisiert war, weiß ich nicht. Ich hab es mir verkniffen mich zu akkreditieren. Aber nachfolgender kurzer Clip den wir damals aufgenommen haben, gibt euch einen Eindruck davon was passiert ist und wie Andre von ApeCrime das Geschehene treffend kommentiert hat.

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Auch die TubeCon war damals immer wieder an der Grenze des Abbruchs, aus meiner Sicht. So brauchte man für die Autogrammstunde von Melina Sophie auch zwei Anläufe, da beim ersten Mal die Sicherheit der Anwesenden nicht gewährleistet werden konnte. So gab es zwar eine Art Absperrung und Weg in den man sich hineinstellen sollte, aber dieser bestand lediglich aus einem Seil und lose hingestellten Ständern. Dass dies keine zwei Minuten stehen bleibt, bei den Massen an Menschen, versteht sich doch wohl von selbst. Auch die Let’s Play Halle, in welcher die großen LetsPlayer Rewinside und Sturmwaffel Autogramme gaben, war teilweise so voll, dass weitere Leute nicht mehr hineingelassen werden konnten. So staute es sich teils bis in den Hauptflur hinein.

Es muss schwer sein ein Kind oder ein Teenager zu sein, welches einfach nur ein Autogramm und ein Selfie seines oder ihres Idols haben möchte. Dass es mit Warterei und viel Aufregung verbunden ist, das ist ok und gehört auch zum Abenteuer dazu. Was aber viel zu häufig passiert, ist, dass man unseren Kinder extremen Stress zumutet, sie nicht selten enttäuscht und weinend nach Hause kommen, sie gar geschubst und vom überforderten Sicherheitspersonal angeschrien werden. Es scheint so, als ob einfache Autogrammstunden nicht zwingend auch ein netter, aufregender Ausflug werden, sondern stressig, nervenaufreibend, tränenreich und mitunter auch beängstigend. Im schlimmsten Falle kümmern sich dann auch die Ärzte um unser Kind.

Es bleibt nur zu hoffen, das man aus den diversen Fehlschlägen lernt und beginnt, die Reichweite und die Anziehung die die heutigen Internet-Stars auf die Jugend ausübt nicht mehr so gewaltig zu unterschätzen.

Florian

Florian

Florian ist TubeNOW-Portalleiter und langjähriger Webvideo-Beobachter.

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