Home Interview Über Finanzierung, die Mystery-Serie Deborah und Neues mit Fabian Siegismund – Interview mit De Changeman
Über Finanzierung, die Mystery-Serie Deborah und Neues mit Fabian Siegismund – Interview mit De Changeman
0

Über Finanzierung, die Mystery-Serie Deborah und Neues mit Fabian Siegismund – Interview mit De Changeman

0
0

TubeNOW: De Changeman, Wie läuft es mit deinem Kurzfilmfestival?

De Changeman: Es wurden deutlich mehr Filme eingereicht als ich es erwartet hatte. Obwohl die Einreichungsphase so kurz war. Aber für nächstes Mal weiß ich, dass ich das Festival nicht in die Prüfungsphase von Studierenden lege, denn viele meiner Zuschauer sind eben Studenten. Am 10. September um 19 Uhr startet der Livestream auf meinem YouTube-Kanal, wo wir alle Filme anschauen werden. Und in den Wochen danach werden die Filme ausgespielt. Es geht jetzt also richtig los. Und danach werde ich dann entscheiden ob wir das nochmal machen. Das kommt natürlich auch darauf an, wie die Aufmerksamkeit war und wie viel Bock die Leute darauf haben. Es wurde aber so viel Filme eingereicht, dass es schon wahrscheinlich ist, dass wir das nochmal machen. #00:01:47-0#

TubeNOW: Wie viele Filme wurden den insgesamt eingereicht?

De Changeman: 42.

TubeNOW: Wenn ich auf deinem Kanal etwa stöbere, fällt mir auf, dass du dich sehr auf Webserien fokussierst. Wenn du neue Projekte und Videos ankündigst, sprichst du gerne davon, diese „auszuspielen.“ Man findet den klassischen YouTube-Content nicht mehr bei. Warum hast du den Fokus so sehr auf Webserien gelegt?

De Changeman: Ich mach ab und an auch noch diese Battleformate mit Philmann. Das ist wohl noch das klassischste. Insgesamt ist YouTube super langweilig geworden. Es sei denn du folgst guten Musikern oder Leuten die coole Sketches und ähnliches machen. Es gibt auf YouTube nicht mehr viel mehr was mich interessiert. Und ich machen eben Sachen, die mich interessieren. Webserien trifft es eben am besten. Kurzfilme schaut keiner. Ich hatte das schon versucht und sie sind letztlich ja auch aufwändiger als eine Webserie. Es macht total Spaß Dinge auszuprobieren die man vielleicht irgendwann mal ans Fernsehen verkaufen kann oder Dinge zu machen, die das Fernsehen eben nicht wollte. Mit Fernsehen mein ich allerdings auch Webproduktionsfirmen, die eben auch mal Geld investieren.

TubeNOW: Bezieht sich deine Kritik auf YouTube im gesamten oder nur auf den deutschsprachigen Bereich.

De Changeman: In Amerika gibt es echt noch viel was ich mir anschaue und gerne mag. Aber im deutschen Raum ist es wenig. Ich schau mir MrTrashpack und HerrNewstime für die YouTubeNews an. Ich schau HandofBlood und David Hain, wenn er mal was macht. Und klar, ich schau auch mal bei Kelly MissesVlog rein. Es ist insgesamt wenig geworden.

TubeNOW: Dein Fokus liegt nun aber auf Webserien, richtig?

De Changeman: Das werden die Zuschauer diktieren. Wenn die irgendwann mal kein Bock mehr darauf haben, wird sich das auch verändern. Aber aktuell ist das Feedback super. Auch Patreon hat sich super entwickelt. Durch den Support ist das Ganze ja erst möglich. Und dennoch mach ich ja auch noch sowas wie die Kackspiele. Die kommen nun übrigens auch wieder regelmäßig.

 

Ich glaube nicht, dass diese Sachen die ich mache eine Chance haben profitabel zu sein.De Changeman

TubeNOW: Glaubst du das Webserien eine Zukunft auf YouTube haben werden? Ich meine nun nicht ob sie einigermaßen klickstark sind, sondern ob sie profitabel sein können.

De Changeman: Ich glaube nicht, dass diese Sachen die ich mache eine Chance haben profitabel zu sein. Da müsste schon Amazon oder Netflix ein Projekt kaufen. Ich mache viel zu wenig Klicks und bin auch, wie viele andere, von der willkürlichen Demonetarisierung betroffen. Beim Film Markus Specht haben viele geschrieben, dass sie das Webvideopreis-würdig finden. Das ist schön, aber das interessiert halt trotzdem keinen. Solange da nicht 400.000 oder 500.000 Klicks stehen, brauch ich es auch nicht einreichen. Erfolg verspreche ich mir mit Webserien absolut nicht.

TubeNOW: Du machst das also aus Spaß und mit ner gewissen Hoffnung, dass eventuell konventionelle TV-Sender oder Streamingdienste auf dich zukommen und mit dir arbeiten möchten.

De Changeman: Zum Beispiel. Manchmal reicht es auch, dass Leute sehen was man hier so ausprobiert und kommen dann auf dich zu. Es ist in der Vergangen schon oft passiert, dass man mich als Regisseur oder Autor engagiert hat.

TubeNOW: Bekommst du eigentlich von YouTube oder ähnlichen Plattform in irgendeiner weise auch eine sinnvolle Unterstützung? Das Nutzen des YouTubeSpace in Berlin zum Beispiel oder gar finanzielle Zuwende um kreativen Content für die Plattform produzieren zu können?

De Changeman: Das YouTubeSpace darf ich nutzen, aber für mich ist das nicht sinnvoll. Ich wüsste nicht was ich darin Drehen sollte. YouTube holt mich regelmäßig ins Creators-Programm. Das ist recht cool, da man einen direkten Ansprechpartner bekommt. Darüber hinaus gab und gibt es nichts.

TubeNOW: Wenn bei dir nun ein Video demonetarisiert wird, was ja nun in letzter Zeit häufiger passiert, kannst du dich an deinen Ansprechpartner wenden. Wenn es dann wieder monetarisiert wird, was sagt YouTube dann dazu?

De Changeman: Also erstmal werden die Videos in der Regel nicht wieder monetarisiert. Du bekommst lediglich eine Begründung warum es nicht werbefreundlich ist.

 

Alles was Satire ist, ist bei mir entmonetarisiert. De Changeman

TubeNOW: Kannst du uns Beispiele nennen, warum einige deiner Videos nun nicht mehr werbefreundlich sind?

De Changeman: Bestimmte Wörter im Titel, zum Beispiel. Ich hatte mal ne Reihe die nannte sich ISIS, aber die ist ewig alt.. Ihr schreibt, ich singe. YouTube hat eben wegen dem ISIS immer und immer wieder demonetarisiert, bis ich den Titel geändert habe. Aktuell sind die ISIS-Videos wieder monetarisiert und inzwischen steht ISIS auch wieder im Titel. Ich hatte ihnen damals gesagt, dass es nichts mit dieser schlimmen Organisation zu tun hat.

TubeNOW: Empfindest du die Demonetarisierung als willkürlich?

De Changeman: Alles was Satire ist, ist bei mir entmonetarisiert. Adobe White Power Tool, eine Satire, ist entmonetarisiert worden. Man bekommt keinerlei Benachrichtigung darüber. Du merkst es eher zufällig. YouTube sagt dir nicht Bescheid und das ist das Schlimme. Mein Fallout-Video wurde auch ohne Hinweise auf „Ab 18“ gesetzt. Andere Videos wie mein GTA5-Review wurden allerdings nicht auf „Ab 18“ gesetzt. Ich müsste, wenn ich von YouTube leben würde, jeden Tag alle meine Videos checken. Zudem: Vier Videos wurden bei mir gesperrt. Das hab ich auch nur durch Zufall mitbekommen. Von YouTube hab ich darüber keinen Hinweis bekommen.

TubeNOW: Nun hast du ja auch ein Patreon-Konto. Dort können Leute dich und deine Projekte finanziell unterstützen und bekommen extra Inhalte dafür. Läuft das erfolgreich?

De Changeman: Wir verdienen etwa 1.000 Euro über Patreon pro Monat. Eine Webserie kostet allerdings zwischen 4.000 – 6.000 Euro. Dadurch kann ich etwa einmal im Quartal eine Webserie machen.

TubeNOW: Was glaubst du warum die Leute dich bei Patreon unterstützen? Du bietest diverse zusätzliche Videos an, zu denen man Zugang erhält sobald man dich dort finanziell unterstützt. Zudem gibt es diese klassischen Pledge-Goodies. Unterstützen dich die Leute, weil sie neugierig auf die Inhalte sind oder aus rein ideologischen Gründen? Einfach, weil sie dich gut finden, so zu sagen. Was hast du da für Feedback?

De Changeman: Ganz unterschiedlich. Starte ich ein neues Projekt, gibt es immer viel Feedback. Auch als der Markus Specht dort gezeigt wurde, gab es sehr viele Kommentare und fanden es super. Die Leute nutzen aber auch die Pledges. Es gibt ja über 10 verschiedene „Awards“ die man erwerben kann. Zum Beispiel gibt es auch einen Discord-Server auf dem ich sehr regelmäßig bin. Ab 5 Euro kommen die Leute in den Abspann. Das wollen auch immer alle. Wir bieten aber auch solche Sachen wie Sprachnachrichten, nen Song den sie sich aussuchen dürfen oder ein Foto vom Set an. Es ist sehr angenehm, dass diese allerdings eher selten angefragt werden. Sonst müsste ich da 20 exklusive Fotos am Set machen. So weiß ich, dass es 5-6 Leute sind, dass ist absolut ok. Daher gehe ich davon aus, dass viele mich unterstützen weil sie finden dass ich guten Content mache. Und ich sehe halt auch, wie lange die Leute einen schon unterstützen. Und wenn man die ganzen Namen immer wieder in die Abspänne tippt, dann kennt man sie irgendwann.

Relevant
Gronkh wird Twitch-Partnervertrag kündigen

Weiter geht’s auf Seite 2.

TubeNOW: Du planst seit geraumer Zeit eine Art Horror-Mystery-Serie mit dem namen Deborah. Inzwischen suchst du auch schon eine weibliche Darstellerin zwischen 15 und 17 Jahren. Es geht also wohl in die heiße Phase. Kannst du dazu inzwischen etwas mehr sagen?

De Changeman: Der Plot befindet sich noch extrem in Bewegung. Was ich fest sagen kann ist, dass Uke Bosse fest dabei sein wird. Vieles wird sich dann in den nächsten zwei Wochen konkretisieren. Wir werden Locations anschauen und werden dahingehend auch die Story anpassen. Zudem gibt es zwei YouTube die ich sehr gerne dabei hätte und die auch Lust haben. Aber endgültig entscheiden werden die sich erst, wenn die Drehbücher fertig sind und die Drehtage fest stehen. ich schleppe das Projekt schon Jahre mit rum und hatte auch schon versucht, das Ding zu verkaufen. Ich war auch vor kurzem im Gespräch mit Produktionsfirmen die das Thema super interessant finden. Allerdings wird dort zur Zeit mehr Comedy gefördert. Nun machen wir es eben selbst, wenn es erstmal nur eine Folge wird. Die Serie soll ja auch einen bestimmten düsteren Ton Anschlagen. Und was ich noch sagen kann: Es wird keine Webserie wo eine Folge nur 5 Minuten geht. Eine so lange Webserie haben wir bisher noch nicht gemacht.

TubeNOW: Auch außerhalb von YouTube bist du kreativ tätig. Für Netflix hast du vor geraumer Zeit kurze Sketches für Facebook produziert. Wie kam es dazu?

DeChangeman: Ich hab auf einer Party den Menschen kennengelernt der sich in Deutschland um die Vermarktung von Netflix kümmert. Wir haben uns gut verstanden und als es darum ging, dass er Sitcom-artige Clips brauchte, haben wir diese Auftragsarbeit ausgeführt. Das hat auch viel Spaß gemacht und wir hätten natürlich gerne viel längere Folgen mit viel böserem Humor produziert. Letztlich haben wir natürlich genau das produziert, was sie von uns erwartet haben. Wir werden in Zukunft auch wieder was für Netflix machen. Allerdings etwas anderes und ganz neues. Aber da kann ich noch nicht mehr dazu sagen.

TubeNOW: Wie steht es denn darum, direkt für die Streaming-Plattform von Netflix ein Projekt, eine Serie zum Beispiel, umzusetzen?

De Changeman: Das ist extrem schwierig. Du brauchst dafür auf jeden Fall eine Mainstream-Reputation. Die reden in Deutschland aktuell nur mit Regisseuren, die in Deutschland unglaubliche Kino-Hits hatten. Ich hätte also mindestens einen sehr erfolgreichen Kinofilm haben müssen, um ins Gespräch zu gehen. Oder einen ultra fetten YouTube-Kanal mit x-Millionen Abonnenten, der qualitativ auf einem sehr hohen Level ist.

 

Bei einem Projekt handelt es sich um eine sehr geile Webserie mit Fabian Siegismund. De Changeman

TubeNOW: Was macht DeChangeman um seine Brötchen zu verdienen? Die 1.000 Dollar Patreon-Kohle geht ja für Webserien drauf.

De Changeman: Ich arbeite als Regisseur und Drehbuchautor. Hin und wieder auch mal als Scriptdoktor. Da bekomme ich Scripte und Drehbücher vorgelegt und soll dann schauen, wie man das eventuell noch dramaturgisch verbessern kann oder wo Gefahren lauern, die dann eventuell auch im Schnitt problematisch werden können. Zudem arbeite ich an drei Projekten, die dieses oder nächstes Jahr zu sehen sein werden. Bei einem davon handelt es sich um eine sehr geile Webserie mit Fabian Siegismund. Darin wird er etwas spielen, wie man ihn noch nie gesehen hat. Zudem wird es dieses oder nächstes Jahr noch etwas bitterbös-satirisches geben. Das dritte Projekt liegt aktuell bei einer großen, von mir sehr geschätzten, Produktionsfirma. Ich hoffe, dass ich darüber bald reden kann. Allerdings sind wir dort ganz am Anfang. Um genau zu sein bei der Entwicklung der ersten Drehbücher.

Und ich hab einen Podcast gestartet. Liebe ohne Selfie nennt er sich. Das macht mega viel Spaß und er läuft viel besser als ich es erwartet hatte.  Er erscheint mindestens einmal, gerne auch zwei Mal im Monat und ich habe schon jetzt eine Gästeliste, die bis zum Ende des nächsten Jahres reicht.

TubeNOW: Wo kann man den anhören?

De Changeman: Auf Soundcloud und Deezer. Aktuell versuche ich auch Spotify und iTunes zu bekommen. Das kostet allerdings Geld und ich verdiene mit dem Podcast auch nichts. Da möchte ich ungern noch 200-300 Euro reinstecken.

TubeNOW: De Changeman, du sitzt zum Jahresende am Kamin und du schaust auf dein Schaffen 2017 zurück. Was glaubst du wirst du darüber denken und was ist dein Ziel bis zum Jahresende?

De Changeman: Zum Jahresende hätte ich gerne mindestens zwei Folgen von Deborah ausgespielt und ein entsprechendes Publikum erreicht. Wir gehen visuell und inhaltlich in Richtung der Videospiele Silent Hill 1-3 und vom Feeling her in Richtung Twin Peeks Staffel 1. Es wird düster, es wird unangenehm und es wird sich Zeit genommen. Deswegen hab ich ein wenig Angst, dass YouTube um die Ecke kommt und es wegsperrt.

 

Ich finde Vidme ganz interessant. Die haben gute Ideen.De Changeman

TubeNOW: Glaubst du nicht, dass es für Webserien wie du sie produzierst nicht bessere Plattformen gäbe wie YouTube? Wie wäre es mit Vimeo zum Beispiel? Dort finden sich ja ebenfalls sehr viele kreative Köpfe.

De Changeman: Für mich macht Vimeo keinen Sinn. Erstens kostet es Geld, wenn man viel in guter Qualität hochladen will und zweitens ist es ausschließlich englischsprachig. Man kann natürlich deutschsprachigen Content hochladen, aber das würde niemals auf der Front-Seite landen. Ich hatte dort jahrelang einen Account und habe auch Sachen hochgeladen, aber die Klicks waren so gering, dass es einfach keinen Sinn gemacht hat.

TubeNOW: Also aus deiner Sicht gibt es aktuell keine Alternative zu YouTube, die relevant wäre oder in naher Zukunft relevant wird?

De Changeman: Ich finde Vidme ganz interessant. Die haben gute Ideen. Man kann zum Beispiel Trinkgeld geben oder Inhalte nur für Leute freigeben, die einen gewissen Betrag zahlen. Ich habe da aktuell nichts geplant, aber es ist ein interessanter Weg. So könnte man auch teurere Projekte finanzieren, indem man diese z. B. für 1 Euro im Monat zur Verfügung stellt. Bei dem Nischenzeug das ich mache, wird es aber immer schwierig bleiben. Markus Specht hat mir so viel Spaß gemacht und ist mein absolutes Lieblingsprojekt. Es hat aber wenig Klicks, weil die Leute eher lustigen Kram sehen wollen. Markus Specht ist halt eben recht düster. Ich mach ja auch gerne dieses lustige Zeug. Aber viel mehr Spaß hab ich an sowas wie Markus Specht. Da kann man sich viel mehr ausleben und wesentlich interessantere Geschichten erzählen.

TubeNOW: Seit Ende August ist Markus Specht bei dir auf dem Kanal zu sehen, richtig?

De Changeman: Genau. Es ist eigentlich eine Webserie, nun wurde es als Film etwas anders geschnitten, die Musik hat sich verändert und das Ende ist ein wenig anders. Er hat eine Länge von knapp 50 Minuten und es gibt dazu auch ein Interview mit FloVloggt wo das Thema nochmal beleuchtet wird und ich Fragen dazu beantworte.

TubeNOW: Danke für das Interview.

Florian Florian ist TubeNOW-Portalleiter und langjähriger Webvideo-Beobachter. [email protected]

Lass gerne ein Kommentar da