vidme

Die Kritik um YouTube war wieder groß in letzter Zeit. Ein überarbeitetes Monetarisierungskonzept und die Sperrung einiger Inhalte deutscher YouTuber, sorgten für Aufruhr. Und genau jetzt sorgt eine neue Videoplattform für Diskussionsstoff. Doch was macht die Plattform besser, schlechter oder einfach anders als YouTube? Und wird sie sich als dauerhafter Konkurrent beweisen können? 

„Das Telegram der YouTube Branche“ – So beschrieb Luc von Nordheim alias MrCululu die neu aufkeimende Webvideoplattform Vidme in einem seiner Tweets am 2. September. Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die ersten deutschen YouTuber bereits auf der Website des YouTube Konkurrenten. In den nächsten Tagen sollte die Website, zumindest in Deutschland, einen kleinen Hype erfahren. Webvideoproduzenten wie MrTrashpack, DeChangeman, Gronkh und Zeo fingen plötzlich an ihre Inhalte nicht nur auf YouTube, sondern auch auf Vidme zu veröffentlichen.

Vidme – Bestehend bereits seit 2014

Was Viele allerdings nicht wissen: Vidme ist kein Portal, dass es erst seit kurzem gibt und aus dem Boden geschossen kam. Tatsächlich besteht die Website bereits seit 2014, damals gegründet als Viddme. Die Macher beschreiben ihre Seite als eine Mischung aus YouTube und Reddit. Im Dezember 2016 verzeichnete die Website immerhin schon 25 Millionen Einzelbesuche pro Monat. Nach Aussagen der Plattformbetreiber verzeichnete Vidme allerdings allein in der ersten Septemberwoche 2017 einen Nutzeranstieg von 100.000 – maßgeblich verursacht durch User aus Deutschland. Dies führte teilweise sogar dazu, dass die Seite in kurzen Abschnitten nicht mehr erreichbar war.

 

Wie entstand der Hype?

In den letzten Wochen musste YouTube erneut einiges an Kritik einstecken. Mit dem veränderten Design einher, gingen auch Änderungen an der Monetarisierung. So stufte YouTube seit neustem Videos als entweder „nicht werbefreundlich“, „eingeschränkt werbefreundlich“ oder „werbefreundlich“ ein. Für YouTuber, die mit ihren Videos ihren Lebensunterhalt finanzieren müssen, ist das schon lange ein Problem. Neu war allerdings, dass Videos nicht nur die Monetarisierung entzogen wurde, sondern dass sie teilweise sogar nach weniger als einem Tag komplett gesperrt wurden. So geschehen zum Beispiel mit einem Video auf dem Kanal von LeFloid.

Berechtigt also, dass viele Webvideoschaffende sich nach YouTube Alternativen umsehen. In Deutschland waren das während der Webvideo Anfangszeiten Seiten wie MyVideo und Clipfish. Seitdem diese aber ihr Konzept geändert haben, griffen die Meisten, wenn überhaupt, auf Plattformen wie Dailymotion und allen voran Vimeo als YouTube Alternative zurück. Oder eben seit Neustem Vidme. Die Webseite, die meiner Meinung nach, von allen Aufgezählten, am ehesten als YouTube Konkurrent taugt.

 

Vidme vs. YouTube – die Unterschiede

Auf den ersten Blick erinnert Vidme an eine veraltete Version von YouTube. Die Startseite besteht im eingeloggten Modus nicht aus empfohlenen Videos, sondern aus dem persönlichen Feed, gefüttert mit den neuesten Videos der abonnierten Kanäle. In der Navitgationsleiste findet man zusätzlich zum Feed eine Später ansehen Liste und einen „Hot today“ Tab. Dieser darf mit den YouTube Trends verglichen werden. Nur, dass sich die dort aufgeführten Videos auf einem inhaltlich höherem Niveau bewegen, als bei YouTube. Nicht überraschend, da trotz des Hypes natürlich trotzdem noch weit weniger User auf dieser Plattform unterwegs sind.

Zurück zu den Inhalten der Trends Seite: Hier fällt zum ersten Mal die Invasion der deutschen Besucher auf. Nicht nur trendet der Vidme Wochenrückblick mit dem Titel „German INVASION“, sondern auch etwa fünfzig Prozent der Trending Videos sind in deutscher Sprache. Ein ähnliches Phänomen begegnet einem beim Klicken auf den Tab „Fresh Uploads“, wo man die Neusten auf der Plattform hochgeladenen Videos schauen kann.

Auf anderen Unterseiten auf denen sich Videos entdecken lassen, sind die Videos jedoch ausschließlich auf Englisch. So zum Beispiel auf der Seite „Team Picks“. Aber auch bei „Random Video“ und „Random Creator“ sind mir bisher auch bei weit über 30 Durchläufen noch keine deutschen Kanäle untergekommen. Die Tools bieten für den Durchschnittszuschauer keinen großen Mehrwert, da man leider keine Genres und Themengebiete aus der Funktion aussortieren kann. So findet man dort meist eher Videos zu Themen, die einen persönlich eher weniger interessieren. Da kann man Videos wie „Reading my spam folder on helium“ fast schon als Schätze bezeichnen. Letztendlich sind die Random Tools eine nette Idee, die vor allem für kleinere Kanäle eine gute Chance bieten entdeckt zu werden. Allerdings sind sie nichts, was der Website einen deutlichen Vorsprung gegenüber YouTube verpasst.

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Eins der besten Features für Zuschauer ist, meiner Meinung nach, die Möglichkeit Videos zu schauen, ohne dass dafür die Videoseite geöffnet wird. Egal, wo auf der Webseite man sich befindet, Videos lassen sich immer genau dort abspielen. Sollte man allerdings einen Kommentar hinterlassen wollen, wird man wohl oder übel die Videoseite aufrufen müssen. Außerdem gibt es auf Vidme keine Möglichkeit Videos negativ zu bewerten, was ebenfalls einen wesentlichen Unterschied zu YouTube darstellt. Ein deutlicher Beweis dafür, dass Vidme sich auf ihrer Webseite um einen freundlicheren Umgangston, als auf der des Konkurrenten bemüht.

 

Vidme’s Vor- und Nachteile für Creator

Die Möglichkeiten die Vidme für Creator bietet, heben sich allerdings wesentlich deutlicher von denen auf YouTube ab. Bereits beim Upload fallen erste Unterschiede auf. Dabei ist zunächst einmal auf die wöchentliche Upload Begrenzung von 3GB für nicht verifizierte User einzugehen. Dies könnte ein erhebliches Problem für kleinere Gaming Kanäle darstellen, die ihre Videos dennoch in voller Qualität uploaden wollen. Für verifizierte User gilt allerdings dieses Limit nicht. Diese haben ein Upload Volumen von immerhin 50GB. Verifizieren kann man sich, sobald man die 50 Follower erreicht hat.

Wenn nach Überprüfung des Contents der Verifizierung stattgegeben wurde, hat man die Möglichkeit mit verschiedenen Features Geld zu verdienen. Bereits als nicht bestätigter User bekommt man 70% der Werbeeinnahmen ausgezahlt, was eine Ecke mehr ist, als YouTubes 60%. Hat man allerdings den Verifizierungsprozess durchlaufen, kann man zusätzlich bezahlte Abos anbieten und Spenden von Zuschauern erhalten. Dabei ist anzumerken, dass sich ein bezahltes Abonnement augenscheinlich nicht von einem normalem Follow unterscheidet. Es scheint, ebenso wie das Spenden, eine simple Möglichkeit zu sein, von seinen Zuschauern unterstützt zu werden.

Wie bereits erwähnt bietet Vidme einige Möglichkeiten neue Creator zu entdecken. Die Möglichkeit gezielt nach bestimmten Inhalten zu suchen, ist aber noch nicht ganz ausgetüftelt. Deutlich wird dies bereits beim Upload der Videos. Es gibt abseits des Titels und der Beschreibung keine Möglichkeit weitere Infos zu seinem Video bereitzustellen. Man kann keine Tags eingeben, die der verbesserten Suchfunktion dienen und es gibt keine Verlinkungsmöglichkeiten innerhalb eines Videos, wie auf YouTube beispielsweise Infokarten oder Abspann.

 

Vidme – Eine Plattform mit dauerhafter Chance?

Vorweg dieses Fazits muss ich sagen, dass ich trotz einiger Kritikpunkte der Plattform kein wirklich schlechtes Urteil geben kann. Die Website bietet interessante Möglichkeiten neue Creator zu entdecken, bedarf dafür aber einiges an Verbesserung bei der Suchfunktion.

Auch bei Qualität und Uploadvolumen wird Vidme auf Dauer nachrüsten müssen. Für einfache Vlogs und Erklärvideos reicht es aus, aber hochqualitative Serien und auch Games werden es auf der Plattform, so wie es jetzt ist, schwer haben.

Die Zuschauerschaft ist aktuell natürlich noch kleiner, dafür hat man aber mehr das Gefühl zu einer Community zu gehören. Ich fühle mich ein bisschen zurückversetzt in eine Zeit auf YouTube, die ich selber leider nur in den letzten Zügen mitbekommen habe.

Ich persönlich werde Vidme weiter beobachten und unterstützen. Es gibt zwar einige Kritikpunkte, dennoch ist es für mich vor allem eine Plattform mit viel Potenzial. Was aber auch aufgefallen ist: Der erste Hype ist bereits jetzt, nach wenigen Tagen abgeklungen. Die Creator laden zwar noch regelmäßig hoch, aber die Begeisterung hält sich mittlerweile wieder in Grenzen. Daher denke ich, dass Vidme für YouTube keine dauerhafte Konkurrenz sein wird. Aber die Plattform bietet gute Ansätze. So wird YouTube hoffentlich noch das ein oder andere Mal feststellen, dass gewisse Dinge einer erheblichen Verbesserung bedürfen. Vidme ist somit als Konkurrent und Alternative wie geschaffen. Und kann mit seiner kleinen, aber angenehmen Community vielleicht sogar eine dauerhafte Bleibe für vereinzelte Kanäle werden.

 

Chrisi

Chrisi

Chrisi ist eine medienbegeisterte Studentin. Seit 2014 betreibt sie einen eigenen YouTube-Kanal und beschäftigt sich mit der Webvideobranche. [email protected]

There are 4 comments

  1. Hey Chrisi,
    bin selber seit einer Woche auf Vidme und muss sagen ich finde die Plattform wesentlich besser als YT, für Content Creator und Zuschauer ist sie tausende mal besser als YouTube. Ich hab noch nie so schnell gute, kleine Formate gefunden wie auf Vidme, auf YT sowas zu finden ist schlicht unmöglich, da dort nur die großen Aufmerksamkeit bekommen.
    Dennoch ist Vidme momentan in meinen Augen noch in Alpha Stadium. Vieles muss noch verbessert werden. Die Zuschauer/Creator laden momentan nur ihr Zeug aus YT hoch, überflutet wird das ganze von den LPern, viele „Upvoten“ nur stupide um Aufmerksamkeit zu generieren und gucken sich das Video nicht mal an. Manchmal findet man Videos mit 10 Upvotes und 1 View.
    Wenn die großen YouTuber ernsthaften Content exklusiv bei Vidme erstellen würden, würde es zu einer Konkurrenz werden, bis dahin wird es eher eine Plattform für zwischendurch sein.

    LG
    Sanja K.

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    1. Chrisi

      Danke für den Kommentar. Du hast natürlich völlig Recht. Solange auf Vidme kein exklusiver Content läuft, wird sich die Website nicht deutlich von YouTube abheben können.Es muss einfach Alleinstellungsmerkmale geben. Ein gutes Tool, was du nutzen kannst um coole YouTube Kanäle zu entdecken ist kanalfinder.de – Das ist zwar irgendwie geschummelt, weils nicht über YouTube selbst läuft, aber wenn du auf der Suche nach coolen Inhalten bist, kann ich dir die Seite nur ans Herz legen.

      Reply
  2. Danke für den Artikel! Freut mich, dass Vidme mittlerweile so im Gespräch ist.

    Tags kann man bei Vidme in der Videobeschreibung ähnlich wie bei Instagram eingeben, also z. B. #Overwatch #LetsPlay #PS4 usw.

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