Webvideopreis 2016 - Irgendwie anders als zuvor - TubeNOW - Webvideomagazin
Webvideopreis 2016

Am Wochenende verlieh die European Web Video Academy bereits zum sechsten Mal den begehrten Webvideopreis. Gewinner und Verlierer sind nun bekannt, doch wie war die Gala eigentlich?

Der Webvideopreis in diesem Jahr war irgendwie wie immer, kann man sagen. Klar, eine Gala bzw. eine Preisverleihung bleibt einfach mal genau das. Es ist ein stück Weit eine Abarbeitung der Kategorien. Die Nominierten werden vorgestellt, der Gewinner wird gekürt, es folgt eine knappe oder längere Dankesrede. Zwei oder drei Musikacts sorgen für Abwechslung und der oder die Hosts leiten mehr oder weniger elegant durch den Abend. So ist das eben wenn Preise an die Besten der Branchen verliehen werden. Sei es im Film, bei der Musik oder eben beim Webvideo.

Dennoch, der Webvideopreis war dieses Jahr doch ein wenig mehr als nur das und nicht nur deswegen, weil man immer wieder kritische Töne in Richtung der YouTube-Szene zu hören bekam. Zum ersten Mal hatte man wirklich das Gefühl, dass sich die Branche etabliert hat. Selbstbewusste Gewinner, hochwertiger Content und eben das Stück mehr an Lockerheit, dass den vorherigen Verleihungen aus meiner Sicht noch fehlte. Das die Veranstalter dieses Jahr auf eine Kooperation mit den Öffentlich-Rechtlichen verzichtete, war meinem positiven Eindruck sicherlich zuträglich. Es ist eben ausdruck von Selbstbewustsein, wenn man einen Abend dieser Qualität ohne große Fernsehanstalt organisiert.

Die Rocket Beans, letztes Jahr noch Gewinner des Webvideopreises „Person of the Year – Male“, leiteten die Gäste und Zuschauer mit einigen harten Seitenhiebe gegen die „Schattenseiten“ des Webvideokosmos sehr unterhaltsam durch den Abend.

Es versteht sich von selbst, dass nicht immer alle letztlich den Preis abräumen, die es aus meinem Empfinden heraus tatsächlich verdient hätten. Klar war Melinas Outing mutig, schlimm dass es immer noch so besonders wahrgenommen wird wenn eine Person sich als homosexuell outet, aber sollte das Grund sein jemandem einen Award zu verleihen? Man kann da sicher geteilter Meinung sein, aber ich finde, dass, solange man dieses Thema auf eine Art und Weise behandelt, als sei es ein riesen Ereignis, das Thema gleichgeschlechtliche Liebe noch lange nicht da angekommen ist, wo wir alle es gerne hätten. Bei der Normalität.

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Auch das „I’m Jette“ in der Kategorie Lifestyle leer aus ging fand ich sehr schade. Breeding Unicorns macht ohne Zweifel guten Content und verdiente die Nominierung, allerdings wäre es doch wichtig gewesen, Jette mit dem Preis auszuzeichnen um ein Statement gegen Mobbing zu setzen.  Zumal es in ihrem Video auch mal wirklich authentisch zuging. Aber der Webvideopreis lässt eben die Community mit entscheiden und da gewinnt eben nicht immer der beste oder wichtigste Content, sondern die Lieblinge der Szene mit der meisten Reichweite.

Das ist natürlich nicht allgemein gültig. So konnte sich nämlich Das Netzwerk von Studio71 und konkret Fabian Siegismund, DeChangeman und Sebastian Weimar, gegen starke Konkurrenz in der Kategorie Comedy durchsetzen.

Der Webvideopreis fiel dieses Jahr vor allem durch einige treffende Kritiken auf. So wurde Hand of Blood, Gewinner der Kategorie Gaming, in seiner gut 8-minütigen Dankesrede sehr deutlich: „Wenn man sich jetzt mal die Trends oder die angesagten Inhalte (auf YouTube) anschaut, dann sieht man die YouTuber, die eigentlich ganz cool sind, mit teilweise sogar sexistischem Content und auch Assi-Content, meiner Meinung nach. Und heute schlendern diese YouTuber hier über den roten Teppich und lassen sich feiern. Das ist nicht so meins, muss ich mal sagen.“ Grundsätzlich wird das Thema Content und Verantwortung immer wieder mal angesprochen und in der Szene diskutiert, aber bisher noch nicht so prominent platziert wie eben auf der Bühne des Webvideopreises.

Ich kann vielleicht nicht alles handfest untermauern, aber mein Eindruck dieses Webvideopreises ist: Erwachsener, sich selbst viel bewusster, kritischer und dank Zuschauervoting leider nicht immer treffsicher bei den Gewinnern und Gewinnerinnen.

 

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